Um 1516 Tours – Paris 1572
François Clouet erhielt seine Ausbildung in der Werkstatt seines Vaters, Jean Clouet (ca. 1485-1540), Als Maler und Zeichner verliess dieser Brüssel um sich zunächst in Tours, im Jahre 1516, aufzuhalten, anschliessend in Paris (1529) um Kammerdiener des Königs von Frankreich zu werden. Jean Clouet genoss grosses Ansehen am Hofe der Valois und malte oder zeichnete eigenwillige Porträts mit sorgfältigster und überfeinerter Ausführung nach typisch Flämischer Tradition, wobei die genaue Realitätsübertragung und zarte Linienführung ganz dem Französischen Geschmack entsprach. Er entwickelte ein Genre, dessen Stil als die bedeutendste Ausdrucksweise der Französischen Renaissance und des aufkommenden Manierismus, Schule machte.
1540 wurde François Clouet sein Nachfolger und wurde der Maler vier Französischer Könige, François I. Henri II., François II. und Charles XIX. Gegen 1549-1550 hielt er sich angeblich in Italien auf, wo er Gelegenheit gehabt habe die Bronzino Porträts zu bewundern. Die Maltechnik seines Vaters fortsetzend, schuf er eine Reihe mit drei Stiften gezeichneten oder gemalten Porträts, die aus ihm den beliebtesten Maler des Hofes machten. Seine Porträts weisen auf einen grossen Respekt des Modells sowie auf eine Realitätstreue und sorgfältige Umrissschärfe hin. Seine hieratischen Standbildporträts zeigen eine minutiöse Darstellung der Kleidung gepaart mit einer grossen Strenge in den Gesichtern und machten aus François Clouet den Schöpfer des Standbildporträts.
Die Clouets verfügten über zahlreiche Mitarbeiter, Schüler und Nachahmer sowie einen Malerfreundeskreis, zu dem J. de Court, Dumontier, Caron, Deval oder Quesnel, aber auch anonyme Maler, gehörten, von denen die meistens einen erfundenen Familiennamen trugen. Dank der Forschungen die in den Archiven und Zeichnungssammlungen der königlichen Familie vorgenommen werden konnten, traten alle diese Namen allmählich zutage.
Die von den Clouets eingeführte Tradition mit ihren Schülern alle wichtigen Persönlichkeiten ihrer Zeit zu porträtieren, wird bis Mitte des XVII. Jahrhunderts fortgesetzt, dann aber von dem am Hofe Ludwig XIV. so hoch geschätzten dekorativen Porträts verdrängt.