Um 1500 – Den Haag – Lyon um 1574
Corneille von Lyon oder von Amsterdam, auf Grund seines Niederländischen Ursprungs, soll in Paris gearbeitet haben, bevor er sich ab 1533 in Lyon niederliess und Porträtist am Hofe der Königin Eleonore und dann des Kronprinzen Heinrich II. wird. Naturalisiert im Jahre 1547 wird er 1551 als Hofmaler und Kammerdiener des Königs Heinrich II., anschliessend von Karl XIX., erwähnt. Giovanni Capelli, damaliger Botschafter der Republik von Venedig, besuchte den Maler in diesem gleichen Jahr. Er berichtete : « einen aussergewöhnlichen, nicht nur herrliche Gemälde schaffenden Maler kennengelernt zu haben, sondern auch Ansicht des ganzen französischen Hofes, Edelmänner und Damen, die auf unzähligen kleinen Holztafeln in erdenkbarer Natürlichkeit von dem Künstler dargestellt waren, erhalten zu haben. » Brantôme berichtet, dass im Juni 1564 Catherine de Medicis Corneille persönlich besucht habe. Mit der ständigen Ausstellung der Bildnisse aller Mächtigen der Zeit in seiner Werkstatt pflegte er seine lebenslängliche Beliebtheit durch eine reiche Porträtanfertigung. Angesichts der Zunahme der Hugenotten Verfolgungen, bekehrte er sich 1569 mit seiner Frau und Tochter sowie seinen Dienern. Er wurde im Jakobiner Kloster von Lyon 1575 begraben.
Man kennt von ihm eine Reihe von Brustbildporträts des eleganten Hofes der Valois, in feiner, mit wenig Mitteln und mit Lasur überarbeiteter Ausführung.
In der Darstellung der meist seitlich oder frontal gemalten Bildnisse, unterstreicht er, in seinem sehr eigenen Stil, die Feinheit der Gesichter wobei er auf jegliche Schatten verzichtet. Die Wichtigkeit die er den Gesichtern zuteil werden lässt ist so betont, dass gelegentlich ein disproportioniertes Verhältnis zu ihren Oberkörpern entsteht. Seine Bildnisse sind voller Grazie und wohlwollendem Realismus und einer scharfen Beobachtungsgabe für Kleidung, Stickereien, Kopfputz und Schmuck die in Flämischer Feinheit dargestellt sind. Die Haltung ist noch streng und steif, die Mittel schmucklos und einfach, der Ausdruck verschlossen und feierlich, aber die wachsende Feinheit und Sorgfältigkeit des Pinselstrichs deutet auf eine ständige Wahrheitssuche hin. Der neutrale und dunkle Hintergrund belebt mit einem subtilen Widerschein die Blässe der Gesichter und unterstreicht eine eher kalt wirkende Chromatik.
Den aus Brüssel gekommenen Clouets folgend, trug er weiterhin zur Beliebtheit in Frankreich des Flämischen Stils und seiner innewohnenden Vitalität bei, der ein ganz der Zeit entsprechendes Gewicht auf die vergeistigte und realitätstreue Porträtdarstellung legte. Die Pariser Miniaturtradition hoch schätzend, schuf Corneille de Lyon einen einzigartigen Französisch-Flämischen Genrestil, der nicht nur der zunehmenden und leidenschaftlichen Nachfrage der Sammler des Hofes nachkam sondern auch seinen Ruhm festigte.