Oudewater um 1460 – Brügge – 1523
Gerard David wurde 1484 Meister in der Stadt Brügge und war einer der letzten Repräsentanten der Flämischen Primitiven der Brüggener Schule. (Van Eyck, Van der Weyden, Memling). Ganz eindeutig von seinen Meistern beeinflusst, weist der Künstler als erster in seinen Werken eine, auf seine Verbindung mit den Malern der Italienischen Renaissance zurückgehende, ruhige Lieblichkeit in seinen Darstellungen auf.
Gerard David wurde in Oudewater, im Norden der Niederlande, geboren und erhielt vermutlich seine Ausbildung in Haarlem bei Aelbert van Ouwater. Bald darauf begab er sich nach Brügge wo er 1484 in der dortigen St.Lukasgilde aufgenommen wurde. Zehn Jahre nach dem Tode Memlings, der 1474 starb, wurde er der bekannteste Maler dieser grossen Kaufmannsstadt. Dort verlief auch fast seine ganze Laufbahn als Maler bis zu seinem Lebensende. Gerard David unternahm vermutlich zwei wichtige Reisen in seinem Leben, die eine 1511 nach Italien, Genua, die andere 1517 nach Antwerpen.
Als berühmter Vertreter der Brüggener Malerei am Ende des XV. Jahrhunderts, integrierte er in seinen Darstellungen die Lehren von Jan Van Eyk und von Hans Memling. Die besonnene Haltung der Madonna sowie die Stoffbehandlung auf dem Bild „Die mystische Hochzeit der Heiligen Katharina (1505-1510), (The National Gallery, London), dienen als Beispiel. „Die Jungfrau der Jungfrauen“ (1509, Musée des Beaux Arts, Rouen) zeugt von seinem beibehaltenen Hang zur Monumentalilät der Figuren, während „Die Jungfrau mit der Milchsuppe“ (1520, Musées Royaux des Beaux-Arts de Belgique, Brüssel) eine neue Interpretation des Themas der Madonna mit dem Kinde ins Leben ruft, sie in einem kontemporanen Interieur darstellt um ihre Heiligkeit zu humanisieren und sie dem Gläubigen näher zu bringen.
Während seiner Laufbahn widmete Gerard David der Landschaftsdarstellung besondere Aufmerksamkeit. Das Triptychon der Taufe Christi, genannt Triptychon von Jan des Trompes, (vollendet um 1508, Groeningemuseum, Brügge), ist eines der glücklichsten Beispiele dieser neuen Interpretationsweise. Sein Interesse an Landschaftsdarstellungen wird auch auf dem Bild wie Rast auf der Flucht nach Ägypten deutlich (1510, National Gallery of Art, Washington). Von Gerard Davids wachsendem Interesse für Landschaftsdarstellungen zeugen auch zwei kleine Bider, die er am Ende seines Lebens gemalt hat und die heute als die ersten Landschaften der Flämischen Malerei anerkannt wurden. (Rijksmuseum, Amsterdam).
Als Flämischer Primitiven Maler Niederländischen Ursprungs wird Gerard David als letzter grosser Meister der Brüggener Schule des XV. Jahrhunderts betrachtet.