In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts tätig
Die Bezeichnung, die für die Zuordnung der Werke dieses Meisters verwendet wird, zeigt die Verwirrung, die seinetwegen lange Zeit in der Kunstwelt geherrscht hat. Der Künstler, der Jan van Kessel nahesteht, fertigt im allgemeinen Banketjes auf kleinformatigem Kupfer mit einer Präzision und einem Sinn für Details an, die uns in ihm einen würdigen Vertreter der Stilllebenmaler der flämischen Schule erkennen lassen. Zur Untermalung dieser Feststellung beweisen einige Details in der Komposition den Einfluss anderer anerkannter flämischer Künstler wie z.B. Osias Beert oder Jakob van Es. Die Kupfer von Pseudo van Kessel sind luftig und sehr lesbar und räumen Symmetrie- und Perspektiveffekten einen sehr deutlichen Stellenwert ein.
Die Einflüsse der Flämischen Meister unerwähnt zu lassen, wäre zu vereinfachend. Der Künstler, erpicht darauf, seine Kompositionen aufs Äußerste zu variieren, griff auf eine große Vielfalt von Hilfsmitteln zurück. Gerade die Wahl mediterran anklingender Elemente und die Atmosphäre nüchterner Eleganz die von ihnen ausgeht, lassen eine Herkunft bzw. deutliche Einflüsse erahnen, die entschieden südeuropäischer Natur sind.
Die italienische Inschrift «Raffo Morghen originale flammengo» auf einem seiner Bilder könnte ihn als den nach Italien emigrierten flämischen Maler Raffaelo Morghen identifizieren, dem bis heute kein weiteres Bild mit Sicherheit zugeordnet werden konnte.
Zeitweise wurde mit Gotthard de Wedig (Köln 1583-1641) eine andere Identifizierung vorgeschlagen. Dies erscheint eine Spur zu sein, die sich derzeit offenbar nicht weiterverfolgen läßt.
Sein Korpus erweitert sich in regelmäßigen Abständen mit dem Erscheinen von Bildern auf dem Markt. Es ist also wahrscheinlich, dass man bald in der Lage sein wird, einem der originellsten und faszinierendsten Stilllebenmaler des 17. Jahrhunderts einen Namen zu geben. Sein Schaffen repräsentiert eine direkte Fortsetzung der Werke der großen Maler eines Genres, das damals erst an seinen Anfängen stand.