1527 Leeuwaerden – vor 1609 ?
Hans Vredeman de Vries war nicht nur Architekt sondern auch Dekorateur und wurde in Leeuwarden von Reijer Gerritz in die Kunst des Malens eingeführt bevor er sich für zwei Jahre in Kampen niederliess. Anschliesend begab er sich in den Niederländischen Süden, nach Mecheln und Antwerpen, wo er im Jahre 1569 an der Vorbereitung des fröhlichen Einzugs von Filipp II teilnahm. Er zog sich über zwei Jahre in Friesland zurück und entdeckte dort, in seinem 45. Lebensjahr, eine Veröffentlichung die zum Wendepunkt seines Schaffens führen sollte : Die Traktate über Architektur von Sebastiano Serlio und von Vitruve, in der Übersetzung von Pieter Coeck d’Alost, eine wahre Bibel der aufkommenden architektonischen Richtung.
De Vries kehrte daraufhin nach Mecheln zurück um bei Claude Dorigny die Kunst der perspektivischen Ansichten zu erlernen. Sehr schnell wurden seine architektonischen und perspektivischen Bilder ein grosser Erfolg. Unter den ihm Aufträge gebenden Sammlern zählte auch der Maler Willem Key und der Mäzen Gillis Hooghman. Er arbeitete auch mit anderen Künstlern und zeichnete insbesondere für die Graveure G. de Joode, Ph. Galle, P. Balten und H. Cock die architektonischen Bauten.
Infolge der 1586 erfolgten Plünderung Antwerpens begab er sich zunächst nach Frankfurt und dann nach Brunswick. Mehrere Aufträge und Einladungen führten ihn aber 1591 nach Hamburg, Dantzig und schliesslich zum Hofe von Rudolf II. nach Prag, dann nach Leipzig (wo er mit der Dekoration der Börse beauftragt wurde), anschliessend begab er sich nach Amsterdam und Den Haag und wieder zurück nach Hamburg, wo er ich vermutlich endgültig niederliess. Im Jahre 1604 veröffentlichte er eine Sammlung in zwei Bänden über seine architektonischen Vorlagen Perspective, dat is de Hoogh-gheroemde Const.
Man weiss garnichts über die Umstände seines, vermutlich als terminus ante quem, 1609 stattgefundenen Ablebens. Obwohl er sich nicht nur auf architektonische Darstellungen begrenzte, schuf Hans Vredeman de Vries im Wesentlichen auch Werke mit imaginären, architektonisch dargestellten Palästen, belebt durch elegante Szenen und Kirchen Interieurs.
Sein erstes bekanntes, signiertes und 1566 datiertes Werk stellt ein Christus im Hause von Martha und Maria dar. Seine enge Beziehung zwischen ihm und seinem Sohn Paul Vredeman de Vries konnte bis heute nicht genau erforscht werden. Beurkundet ist, dass Paul ein hervorragender Maler war und mit seinem Vater nicht nur eng zusammen arbeitete sondern gelegentlich auch die von ihm gezeichneten Kompositionen vollendete. Bei einigen mit architektonischen Motiven belebten Kompositionen, vermuten Kenner auch seine Zusammenarbeit mit Dirck de Quade van Ravensteyn, den sie am Hofe von Rudolf II. in Prag kennengelernt hatten.
Jedenfalls gilt das Werk von Hans Vredeman de Vries als ausschlaggebend in der Entwicklung einer eigenen autonomen architektonischen Darstellung der Flämischen und Niederländischen Malerei, die ihre Fortsetzung in den Werken seines Sohnes, seiner Schüler, aber auch in den Werken von H. van Steenwijck d.Ä., Hendrick Aert, B. van Bassen wie auch in den Werken von Neefs, Vater und Sohn, fand.
Die Werke dieses Künstlers werden in folgenden Museen aufgehoben : Amsterdam, Turin, Venedig und Wien.